Mehr Licht bringt nicht viel mehr Sicherheit
Ab heute gilt für Neuwagen, dass sie mit automatischem Tagfahrlicht ausgerüstet sein müssen. Bringt das was für die Verkehrssicherheit? Eine neue Studie sagt: Nicht viel, es schadet aber auch nicht.
Ab dem heutigen Montag bekommen Pkw-Hersteller nur noch eine Typzulassung, wenn ihre Neufahrzeuge mit einer automatischen Beleuchtung ausgerüstet sind. Eine generelle Pflicht zum Fahren mit Licht gibt es in Deutschland allerdings derzeit nicht, auch eine Nachrüstung für Altwagen ist nicht.
Das gilt natürlich auch für Nutzfahrzeuge, aber erst etwas später: Für Busse und Lkw wird Tagfahrlicht erst ab dem 7. August Pflicht, für schwere Lastwagen gilt die Zulassungsvorschrift erst ab August 2012.
Neu auf den Markt kommende Personenwagen und Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht müssen nun serienmäßig mit einer Frontbeleuchtung ausgerüstet sein, die sich zusammen mit der Zündung einschaltet.
Weil die Tagfahrleuchten weniger Leuchtkraft haben als das Abblendlicht, ersetzen sie dies aber nicht. Mit Tagfahrlicht darf demzufolge nur gefahren werden, solange die Sichtverhältnisse nicht ein helleres (Abblend-)Licht notwendig machen. Die Idee hinter der Vorschrift: Fahrlicht macht Fahrzeuge tagsüber im Straßenverkehr besser sichtbar.
Bei vielen modernen Serienfahrzeugen ist Tagfahrlicht schon heute serienmäßig eingebaut, für ältere Fahrzeuge gibt es Nachrüstmöglichkeiten. Wer nachrüsten will, sollte den Einbau möglichst einer Werkstatt überlassen, rät der TÜV Süd in München.
“Keine nennenswerten positiven Effekte”
Unterschiedliche Studien kommen allerdings zu verschiedenen Ergebnissen, was die Effektivität des Tagfahrlichts anbelangt. So veröffentlichte zuletzt der Gesamtverband der Versicherer veröffentlichte eine Studie, derzufolge das Fahrlicht tagsüber “keine nennenswerten positiven Effekte” auf die Verkehrssicherheit hat.
Aus Sicht der Unfallforscher der Autoversicherer hat das Autofahren mit Licht aber auch keine nachteiligen Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit von Fußgängern, Rad- oder Motorradfahrern. In der Diskussion war dies immer wieder ins Feld geführt worden, weil der höhere Aufmerksamkeitsgrad gegenüber den stets beleuchteten Motorrädern durch eine allgemeine Lichtpflicht aufgehoben würde. Die Unfallforscher widerlegten dies nun nach zweieinhalbjährigen Versuchsreihen.
Recht allgemein empfahl die Studie, “bei Regen, trübem Wetter und hohen Hell-Dunkel-Kontrasten (Alleen)” auch tagsüber das Licht einzuschalten.
Die deutschen Autoclubs ermahnen nun, wer kein Tagfahrlicht habe, solle nun auch tagsüber das Abblendlicht einschalten. Denn wenn immer mehr Autos mit Licht unterwegs wären, würden die unbeleuchteten zunehmend schwer erkennbar, heißt es. Nach einer früheren Verkehrszählung des ACE schalten bislang nur 26 Prozent der Autofahrer tagsüber ihr Abblendlicht ein.
Verkehrssicherheitsstudien der Europäischen Kommission kommen zu dem Ergebnis, dass die Einführung einer einheitlichen Tagfahrlicht-Pflicht europaweit jährlich 1,9 Millionen Straßenverkehrsunfälle vermeiden helfen könnte. Das würde 5.500 Tote und 155.000 Verletzte weniger bedeuten. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt nach Angaben des ACE auch eine Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen.
Unterschiedliche Auflagen
In etwa 20 europäischen Ländern gibt es unterschiedliche Auflagen für das Einschalten der Beleuchtung tagsüber. Die Schweiz und Frankreich empfehlen lediglich das Einschalten des Lichts.
In Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Estland und Island ist das Fahren mit eingeschaltetem Licht vorgeschrieben. Ebenso in Italien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Portugal, Bulgarien, Litauen, Lettland, Mazedonien, Polen, Rumänien, Russland, Slowenien, Slowakei, Tschechien und Ungarn.
Quelle: http://www.handelsblatt.com/
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